Was am Termin gefragt wird
Welche Fragen stellt der Medizinische Dienst?
Der Gutachter arbeitet ein Formular ab. Es heißt Formulargutachten, ist bundesweit einheitlich und in Abschnitte von F1 bis F9 gegliedert. Wer weiß, was in welchem Abschnitt abgefragt wird, wird von keiner Frage überrascht.
Wichtig vorweg: Es gibt keine Fangfragen. Der Gutachter prüft in sechs Bereichen, wie selbstständig die Person ihren Alltag bewältigt. Schwierig wird es nur, wenn niemand erzählt, was nachts passiert und was an schlechten Tagen nicht geht.


Wonach der MDK fragt — Abschnitt für Abschnitt
Das Formular ist bei allen Diensten gleich, auch bei Medicproof für privat Versicherte. Die Abschnitte F1 bis F9 werden der Reihe nach durchgegangen.
- F1 — Vorgeschichte und BefundeWelche Erkrankungen liegen vor, welche Ärzte behandeln, welche Unterlagen gibt es. Legen Sie Arztbriefe und den Medikamentenplan bereit — was hier nicht aufgenommen wird, taucht im Gutachten nicht auf.
- F2 — VersorgungssituationWer hilft, wie oft, und was übernimmt ein Pflegedienst. Auch Hilfe durch Angehörige und Nachbarn gehört hierher.
- F3 — Die sechs ModuleDer Kern der Begutachtung. Jede Tätigkeit wird einzeln bewertet — dazu unten mehr.
- F4 bis F6 — Außerhäusliche Aktivitäten und HaushaltsführungWerden erhoben, fließen aber nicht in die Punktzahl ein. Wundern Sie sich nicht, wenn hier ausführlich gefragt wird.
- F7 — Prävention und RehabilitationOb Maßnahmen sinnvoll wären. Rehabilitation geht der Pflege vor — § 5 SGB XI.
- F8 und F9 — EmpfehlungenHilfsmittel, Heilmittel, Wohnumfeldverbesserung. Eine Hilfsmittelempfehlung gilt bereits als Antrag, wenn Ihre Zustimmung vermerkt ist. Fragen Sie ausdrücklich danach.
Die Fragen in den sechs Modulen
Abschnitt F3 entscheidet über den Pflegegrad. Sechs Bereiche werden geprüft, jeder mit eigenem Gewicht. Der Gutachter fragt dabei nicht „Können Sie das?“, sondern lässt sich den Ablauf schildern — und beobachtet.
| Modul | Wonach gefragt wird | Gewicht |
|---|---|---|
| 4 — Selbstversorgung | Waschen, Duschen, Zahnpflege, Kämmen, An- und Auskleiden, Essen mundgerecht zubereiten, Essen, Trinken, Toilettengang, Umgang mit Inkontinenz | 40 % |
| 5 — Krankheit und Therapie | Medikamente, Injektionen, Verbände, Messungen, Absaugen, Arzt- und Therapiebesuche — hier zählt die Häufigkeit je Tag, Woche oder Monat | 20 % |
| 2 — Kognition und Kommunikation | Erkennen von Personen, Orientierung zu Ort und Zeit, Erinnern, Entscheidungen treffen, Sachverhalte verstehen, Risiken erkennen, Bedürfnisse mitteilen, Gespräche führen | zusammen 15 % |
| 3 — Verhalten und Psyche | Nächtliche Unruhe, motorische Auffälligkeiten, Ängste, Aggression, Abwehr pflegerischer Maßnahmen, Wahnvorstellungen — gefragt wird nach der Häufigkeit | zusammen 15 % |
| 6 — Alltag und soziale Kontakte | Tagesablauf gestalten, sich beschäftigen, in die Zukunft planen, Kontakte pflegen | 15 % |
| 1 — Mobilität | Positionswechsel im Bett, stabiles Sitzen, Umsetzen, Fortbewegen in der Wohnung, Treppensteigen | 10 % |
Von Modul 2 und 3 fließt nur der höhere der beiden gewichteten Werte ein. Und Modul 3 verwendet eine andere Skala als die übrigen: dort zählt, wie oft etwas vorkommt, nicht wie selbstständig die Person ist.
§ 15 SGB XI mit den Anlagen 1 und 2 · Begutachtungs-Richtlinien des Medizinischen Dienstes Bund
Wie Sie auf die Fragen antworten
Nicht jede wahre Antwort ist eine gute Antwort. Vier Punkte entscheiden.
- Beschreiben statt bewerten„Sie steht auf, geht zum Bad und braucht dabei jemanden neben sich“ ist besser als „Sie ist unsicher“. Der Gutachter muss einordnen können.
- Häufigkeit nennenTäglich, mehrmals täglich, mehrmals pro Woche. In Modul 5 und Modul 3 ist das die Bewertungsgrundlage.
- Erinnern und Anleiten gehört dazuAuch Aufforderung, Beaufsichtigung und Anwesenheit aus Sicherheitsgründen sind personelle Hilfe — nicht nur Anfassen.
- Nichts vorführen, was sonst nicht gehtWer sich für den Besuch besonders anstrengt, bekommt eine bessere Bewertung als der Alltag hergibt. Das ist der häufigste Fehler und später nur mit Mühe zu korrigieren.
Häufige Fragen zum Termin
Darf jemand dabei sein?
Ja, und es ist dringend zu empfehlen. Menschen mit kognitiven Einschränkungen stellen sich in dieser Situation regelmäßig besser dar, als der Alltag hergibt. Wenn niemand dabei sein kann, verlegen Sie den Termin.
Wie lange dauert die Begutachtung?
In der Regel ein bis zwei Stunden. Die Dauer sagt nichts über das Ergebnis.
Was ist mit telefonischer Begutachtung?
Sie ist in Ausnahmefällen möglich, etwa bei Infektionsschutzlagen. Ein Hausbesuch hat Vorrang, wenn Sie ihn wünschen — sagen Sie das ausdrücklich, bevor der Termin festgelegt wird.
Heißt es MDK oder Medizinischer Dienst?
Beides meint dieselbe Stelle. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung wurde 2022 in Medizinischer Dienst umbenannt. Bei privat Versicherten begutachtet Medicproof — nach denselben Richtlinien.
Bekomme ich das Gutachten?
Nur auf Verlangen. Fordern Sie es an — § 18c Abs. 2 SGB XI. Ohne das Gutachten lässt sich weder ein Widerspruch begründen noch eine spätere Verschlechterung belegen.
Kostenlos, acht Seiten, ohne Anmeldung
Die Begutachtungsmappe
Die Fragen zu kennen reicht nicht — Sie müssen im Termin auch belegen können, was Sie sagen. Die Begutachtungsmappe deckt beides ab: sieben Tage dokumentieren in der Systematik der Module, und daraus eine Vorbereitung für das Gespräch machen.
- Sieben Tagesbögen nach den sechs Bereichen, die tatsächlich bewertet werden
- Eine Auswertung, die aus sieben Tagen die wiederkehrenden Punkte herausfiltert
- Drei ausformulierte Beispiele, die im Termin stärker wirken als eine lange Schilderung
- Eine Seite mit fünf Punkten, die Sie mit in das Gespräch nehmen
- Die fünf Sätze, die im Termin regelmäßig Punkte kosten — und was stattdessen zu sagen ist
Kostenlos, acht Seiten, keine Anmeldung und keine E-Mail-Adresse. Weitergabe ausdrücklich erwünscht.


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Wie der gesamte Ablauf von Antrag bis Bescheid aussieht, steht auf der Seite zur Begutachtung. Womit Sie den Termin belegen, im Pflegetagebuch.